Die Türkei und die Menschenrechte – Demonstration der Samstagsmütter 1997 in Istanbul

Der lange Kampf der Samstagsmütter

Seit 1995 kommen die Samstagsmütter jede Woche in Istanbul zusammen und fordern Gerechtigkeit für ihre Angehörigen, die in staatlichem Gewahrsam verschwunden sind – mit einigem Erfolg. Nun fand die 1000. Mahnwache statt.

„Ich bin verletzt. Alle Samstagsmütter sind verletzt. Jeder neue Tag ist schlimmer als der vorherige, wenn man keine Gewissheit hat, keinen Grabstein, den man besuchen kann“, sagt Emine Ocak. Die Mitbegründerin der Samstagsmütter ist 88 Jahre alt, ihr Gedächtnis lässt seit einiger Zeit nach. „Aber wenn es um meinen Bruder Hasan geht, ist die Erinnerung, der Schmerz weiterhin gegenwärtig“, sagt ihre Tochter Aysel Ocak.

Am 21. März 1995 hörten sie zum letzten Mal von Hasan. Am Telefon versprach er, abends Fisch und Kuchen mitzubringen. Er kam nicht. Auch an folgenden Abenden nicht. Nach mühsamer Recherche fand die Familie Ocak heraus, dass er festgenommen worden war. Trotz entsprechender Augenzeugenberichte bestritt die Polizei Hasans Inhaftierung.

Familie Ocak startete gemeinsam mit dem Menschenrechtsverein eine Kampagne: „Ihr habt Hasan lebendig mitgenommen, wir wollen ihn lebendig zurück.“ Vergeblich – zwei Monate später fanden sie die Überreste von Hasan auf einem Friedhof in Istanbul, schwer gefoltert und begraben als Namensloser.

Elmas Topcu, 29.05.2024, DW (Deutsche Welle)